Die Welt da drinnen (E-Book, EPUB)

eBook - Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom »unwerten Leben«
ISBN/EAN: 9783863949112
Sprache: Deutsch
Umfang: 290 S., 0.42 MB
Auflage: 1. Auflage 2013
E-Book
Format: EPUB
DRM: Digitales Wasserzeichen
Auch erhältlich als
7,99 €
(inkl. MwSt.)
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Diesem Buch liegen die Akten von 179 Patienten der Schweriner Nervenklinik zugrunde, die 1941 als »lebensunwert« ermordet wurden. Ihre Akten blieben auch nach dem Ende der Nazizeit unter Verschluss - im Ministerium für Staatssicherheit der DDR -, bis sie nach der Wende 1990 ins Berliner Bundesarchiv gelangten, wo Helga Schubert sie ausgewertet hat. Ihr Buch - keine historische Studie im engeren Sinn, sondern ein bewegendes und einzigartiges Stück Literatur - folgt minuziös den Schicksalen einzelner Opfer vor und nach ihrer Einlieferung in die Klinik, aber auch den Werdegängen der Ärzte - die sich dem Tötungsauftrag verschrieben oder sich ihm widersetzten. Zugleich sucht dieses Buch auch nach der Anbindung an eine Gegenwart, in der Debatten um Sterbehilfe, Hirntod und pränatale Gendiagnostik immer breiteren Raum einnehmen. Sein Ziel: Die offene Gesellschaft mit allen Mitteln - auch dem der belasteten Erinnerung - offen zu halten und das »Verrückte« in und um uns als Teil unseres Lebens zu akzeptieren.»Wie viel einzelne Schicksale getöteter Geisteskranker könntet ihr in einem Buch aushalten, habe ich ein paar Leute gefragt.Fünf, hat Katja geantwortet.Höchstens zehn, antwortete Hannes.Zwölf, sagte die Literaturredakteurin einer Zweiwochenzeitschrift, und dann möglichst in einem Rhythmus angeordnet mit den Geschichten der Täter.Ob ich so etwas lesen, mir so etwas antun werde, weiß ich noch nicht, war die Antwort einer Lehrerin.«INHALT:Eine MörderanstaltMitgiftEin ZettelVor GerichtNachfrage und AuskunftDie Personen der HandlungPerlkönigin und Nattergallen - Der Haken über dem uNur ein WortDer erste TransportAusflug ins Gas - 18. Juli 1941Ein ArbeitstagIm Bernburger DuschraumNun steigen wir ein, wir zum Tode VerurteiltenDas ist elend ihre KrankheitDer zweite TransportIch doch Dein Liebe FrauTrostDas grüne OperationstuchDie erste psychotische PatientinEin Baum wie ein KörperGlaskugelnStaubwischen mit Virginia WoolfNach dem 9. November 1989179 von 275 von 105 000Das Lächeln auf der FotografieEine FrageEine Todes-StatistikZeitungsmeldungenAus heutiger SichtEin Durchbruch der GallenblaseDer Sachsenberg-ProzessLeben nach dem Ende der DiktaturEin geheimer Gegner der EuthanasieDas Passfoto in der Personalakte des Dr. Alfred L.Ein ProgrammhinweisÜberdosisE für EuthanasieEinfühlung in die Gewährung des Gnadentodes
Helga SchubertGeboren 1940 in Berlin-Kreuzberg. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität. Nach Diplom 1963 bis 1987 Arbeit in der Erwachsenen-Psychotherapie in Berlin-Weißensee und -Mitte. Seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin. Helga Schubert lebt mit ihrem Mann, dem Psychologie-Professor, Schriftsteller und Maler Johannes Helm, nach Jahrzehnten in Berlin seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie eine Galerie mit seinen Bildern eröffneten.1975: Beginn ihrer Veröffentlichungen (Erzählungen, Märchen für Kinder und Erwachsene, Hörspiele, Theaterstücke, Filmszenarien). 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich und Wahl in den PEN. Dezember 1989 bis März 1990 parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. Seit 1992 Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik.Buch-Veröffentlichungen: Lauter Leben, Aufbauverlag Berlin, ab 1975 fünf AuflagenVier Bücher über das Mädchen Bimmi, Kinderbuchverlag Berlin, ab 1980. 1992 zu einem Buch zusammengefaßt und neu illustriert, auch bei Middelhauve. Die Beunruhigung (Szenarium zum gleichnamigen Film, der 1982 zur Biennale in Venedig lief), Henschel-Verlag Berlin, 1982Das verbotene Zimmer, Luchterhand Darmstadt, 1982 (in der DDR keine Druckerlaubnis) Blickwinkel, Aufbau-Verlag Berlin, 1984Anna kann Deutsch, Luchterhand, 1985Schöne Reise, Aufbau-Verlag Berlin, 1987Über Gefühle reden? Berliner Verlag, 1988Judasfrauen (Denunziantinnen), Luchterhandverlag 1990, dann Aufbauverlag, Büchergilde Gutenberg, dtv, Übersetzungen erschienen in Italien, Frankreich und JapanGespräch mit Helga Schubert und Rita Süssmuth: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung, Piper München, 1992Die Andersdenkende, dtv München, 1994Das gesprungene Herz, dtv München, 1995Die Welt da drinnen (Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom unwerten Leben), S.Fischer Frankfurt/Main, 2003Beteiligung an vielen AnthologienAuszeichnungen:Heinrich-Mann-PreisHeinrich-Greif-PreisHans-Fallada-PreisDoctor of humane letters/USA der Purdue-UniversityAutorenstipendium des Landes M-V.
Am 7. August 1946, eine Woche vor dem Sachsenberg-Prozess gegen einen Teil des medizinischen Personals der Schweriner Heil- und Pflegeanstalt, erstattete eine Mutter Anzeige gegen deren Direktor und auch gegen den Oberstadtdirektor von Boizenburg. Der Wohnort des Oberstadtdirektors war ihr unbekannt, aber er war in die englische Zone geflohen, das wusste sie. Er hatte vier Jahre zuvor ihren damals 13-jährigen Sohn dem Jugendamt Hagenow gemeldet (mit der Begründung, der Junge hätte mit anderen Kindern unsittliche Handlungen betrieben, sähe unmenschlich aus und müsste verschwinden). Das Jugendamt brachte den Jungen daraufhin am 1. Juni 1942 in die Schweriner Nervenheilanstalt, wo er, wie man der Mutter sagte, mit Hormonen behandelt werden sollte und für den Schulbesuch vorgesehen war.Die Mutter versuchte, ihren Sohn über das Rathaus in Boizenburg, über das Jugendamt in Hagenow und das Amtsgericht in Züren nach Hause zurückzubekommen, aber es gelang ihr nicht. Ein Vierteljahr nach seiner Einlieferung, am 3. September 1942, erhielt die Mutter folgenden Brief aus der Klinik:Sehr geehrte Frau ...!Leider war es mir nicht möglich, Sie rechtzeitig von der Erkrankung Ihres Kindes zu benachrichtigen, der Junge hatte einige Tage kaum nennenswerte Beschwerden, die auf einen leichten Katarrh der Gallenwege zurückgeführt werden mussten. Am Abend vor seinem Ableben trat eine plötzliche Verschlimmerung mit hohem Fieber auf, und es erfolgte kurz darauf ein Durchbruch der Gallenblase, der den schnellen Tod des Kindes veranlasste.Heil Hitler! Dr. L., MedizinalratDr. Alfred L. also hatte diesen Brief verfasst.Schon am 4. September war die Beerdigung des 13-Jährigen. Die Eltern und seine beiden Schwestern konnten ihn noch einmal sehen und bemerkten dabei vier Einstiche am Kopf, die nicht von den Hormongaben herrühren konnten - das bestätigten außerhalb der Anstalt alle Ärzte, die sie fragten: Hormone werden in Tablettenform verabreicht. Die Mutter vermutete in der Anzeige, dass ihr Sohn mit Wasserstoffspritzen in den Kopf umgebracht worden war.In unserem Nachbardorf, im Einzugsbereich dieser Klinik, lebte bis in die neunziger Jahre ein Mann, der in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gearbeitet hatte. Jetzt erst, bei meinen Nachfragen, erfuhr ich, dass er vor 1945 aus der Nervenklinik entkommen war. Er war einfach weggelaufen. Nein, hatte er zu Hause gesagt, da bleibe ich nicht, da wird man ja umgebracht.Alle hatten es gewusst.
Eine MörderanstaltMitgiftEin ZettelVor GerichtNachfrage und AuskunftDie Personen der HandlungPerlkönigin und Nattergallen - Der Haken über dem uNur ein WortDer erste TransportAusflug ins Gas - 18. Juli 1941Ein ArbeitstagIm Bernburger DuschraumNun steigen wir ein, wir zum Tode VerurteiltenDas ist elend ihre KrankheitDer zweite TransportIch doch Dein Liebe FrauTrostDas grüne OperationstuchDie erste psychotische PatientinEin Baum wie ein KörperGlaskugelnStaubwischen mit Virginia WoolfNach dem 9. November 1989179 von 275 von 105 000Das Lächeln auf der FotografieEine FrageEine Todes-StatistikZeitungsmeldungenAus heutiger SichtEin Durchbruch der GallenblaseDer Sachsenberg-ProzessLeben nach dem Ende der DiktaturEin geheimer Gegner der EuthanasieDas Passfoto in der Personalakte des Dr. Alfred L.Ein ProgrammhinweisÜberdosisE für EuthanasieEinfühlung in die Gewährung des Gnadentodes

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